ENDE
Donnerstag, 23. November 2017
Silvio Dalla Torre
Bassetto historisch Mein Bassetto - Mein Bassetto I - Mein Bassetto II - Mein Bassetto III Bassetto in der Praxis

Mein Bassetto III

Andreas Asper: "Engel mit Violon" Das Fresko aus dem Jahr 1665 befindet sich in der Basilika St. Lorenz meiner Heimatstadt Kempten. Man kann deutlich sehen, dass es sich bei dem abgebildeten Instrument um eine "Bassvioline" handelt. Wenn das kein Ansporn ist!
Februar 2007 Alle meine Überlegungen und Experimente im Zusammenhang mit dem Bassetto liefen auf einen Neubau hinaus. Ich
war
mir sicher, dass sich nur mit einem ganz
neu konzipierten Instrument meine Vorstel-
lungen vom sonoren Bass mit strahlender
Höhe verwirklichen lassen würden. Die letzten Entwicklungen in chronologischer Folge:

AUFTRAG
Mit den Erfahrungen, die ich zwischenzeitlich
mit der hohen Quintstimmung G-D-A-E ge-
sammelt hatte, und der Entscheidung für einen
Instrumentenneubau nahm ich Kontakt mit
Carleen Hutchins auf. Sie bestätigte mir, dass
die "Small Bass Violin" ihres "Violin Octet"
nicht wie derzeit üblich auf A-D-G-C, sondern
auf G-D-A-E gestimmt werden sollte. Ihre Konzeption eines Ensembles von acht baugleichen Violinen, die sich nur in Oktavlage und Größe unterscheiden, erfordert die Quintstimmung. Die Quartstimmung für die beiden Bässe "Small Bass" und "Double Bass" ist ein Zugeständnis an die Spieler wegen der schwierigeren Spielbarkeit der Quintstimmung auf den großen Instrumenten, das allerdings mit Klangeinbußen verbunden ist.

Durch Vermittlung der "New Violin Association Inc." nahm ich Kontakt mit dem Geigenbauer Joris Wouters auf und beauftragte ihn mit dem Neubau einer "Small Bass Violin". Joris Wouters, der bei Antwerpen/Belgien lebt, ist einer der beiden europäischen Schüler von Carleen Hutchins und hat bisher alle Instrumente des "Violin Octet" gebaut, mit Ausnahme der beiden Bassinstrumente. Daher war mein Auftrag für ihn eine reizvolle Aufgabe.

BAU
Und los geht's mit dem Bau. Das Holz ist gekauft - und Joris Wouters' Hund hat es auch für gut befunden...
Es dauerte eine ganze Weile, bis Joris Wouters passendes Tonholz gefunden hatte, das seinen Qualitätsanforderungen und den besonderen Kriterien von Carleen Hutchins’ Methode ent-
sprach. Schließlich begann er im Frühjahr 2005
mit dem Bau der ersten "Small Bass Violin" Eu-
ropas (bisher waren in den USA ca. 20 Instru-
mente gebaut worden, allesamt jedoch in Quart-
stimmung). Nach achtmonatiger Arbeit hatte
Joris das Instrument fertiggestellt und über-
nahm dafür den Begriff "Bassetto".


SAITEN
Während des Instrumentenbaus mussten auch neue Saiten entwickelt werden. Die Firma "Super Sensitive" stellt zwar Saiten für alle Instrumente des "Violin Octet" her, doch nicht für die nun benötigte Stimmung. Die vorhandenen Bassetto-Saiten konnte ich nicht verwenden, da das neue Instrument mit 100 cm eine längere Mensur und veränderte Resonanzeigenschaften hat. Glücklicherweise war der Berliner Saitenentwickler Gerold Genßler nach seiner Trennung von der Firma Velvet gerade im Begriff, sein eigenes Unternehmen "SONORES" aufzubauen. Nach monatelangen Testreihen entstand ein erstklassiger Satz in der G-D-A-E Stimmung.

KLANG
Im November 2006 hat das neue Instrument den Härtetest 'Solokonzert mit Orchester' glänzend bestanden.
Das Instrument klingt völlig neuartig. Es klingt weder wie ein Kontrabass, noch wie ein Violon-
cello. Sein originaler Name "Bass Violin" gibt die beste klangliche Assoziation, denn in der Tat klingt es wie eine riesige Violine: klar, präsent, strahlend, in der Tiefe kernig und satt, ohne da-
bei zu dröhnen. Die Projektionsfähigkeit des neuen Bassettos ist verblüffend und der eines Kontrabasses deutlich überlegen. Aus diesem Grund setzt es sich gut durch, sowohl im Zusammenspiel mit Klavier als auch mit Orchester. Es ist ausgewogen vom tiefsten
bis zum höchsten Ton. 

VIEL ZU LERNEN
Obwohl sich das Instrument sehr gut spielen lässt, habe ich nun viel zu lernen. Zum einen ist es nur konsequent, eine "Violine" auch mit dem entsprechenden Bogen zu spielen. Deswegen werde ich zukünftig für mein Bassetto neben
dem deutschen auch den französischen Bogen
verwenden. Zum anderen bietet das Instrument ganz neue Möglichkeiten, die über das hinausgehen, was ich als Kontrabassist üblicherweise zu tun habe. 

NEUE KOMPOSITIONEN
Neben der ersten Komposition "Aventures" für Bassetto und Orchester von Bodo Reinke haben inzwischen auch die Komponisten Istvan Horvath (Ungarn) und Bruno Cesselli (Italien) Werke für Bassetto geschrieben. Ich hoffe, dass diesen Komponisten zahlreiche weitere folgen werden und sich durch den Klang und die Möglichkeiten des Bassettos zu neuen Werken anregen lassen.

Andreas Asper: "Engel mit Violon" Das Fresko aus dem Jahr 1665 befindet sich in der Basilika St. Lorenz meiner Heimatstadt Kempten. Man kann deutlich sehen, dass es sich bei dem abgebildeten Instrument um eine "Bassvioline" handelt. Wenn das kein Ansporn ist!
Und los geht's mit dem Bau. Das Holz ist gekauft - und Joris Wouters' Hund hat es auch für gut befunden...
Die Zargen sind in der Klemme...
Die Decke in der Rohform
Nun beginnt die Feinarbeit
Die Stimmung von Decke und Boden ist ein wesentliches Element des Konzeptes von Carleen Hutchins.
Boden und Zargen werden verleimt.
Die erste von 15 Lackschichten wird aufgetragen.
Der Lack ist fertig.
Das Griffbrett wird aufgeleimt.
Der Stegrohling wird angepasst.
Der fertige Steg wird aufgestellt.
Ein stolzer Geigenbauer mit seiner eben fertiggestellten Schöpfung samt Tochter und Hund
Und ein ebenso stolzer Besitzer der ersten europäischen "small bass violin"
Im November 2006 hat das neue Instrument den Härtetest 'Solokonzert mit Orchester' glänzend bestanden.


Gewinnen Sie einen Höreindruck von meinem Bassetto!
J.S. Bach:
Menuett BWV 1007