ENDE
Donnerstag, 30. März 2017
Silvio Dalla Torre
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Die "Krabbentechnik"

Wie unter Spieltechniken I beschrieben, hat sich seit der Mitte des 18. Jahr-
hunderts die Drei-Finger-Technik durchgesetzt. Dem Vorteil des relativ bequemen Erreichens der Töne steht die Tatsache entgegen, dass es sich eben nur um drei handelt. Will man eine außerhalb dieses Ganzton-Raumes liegende Note spielen, muss man die Hand und damit auch den Arm verschieben, also einen Lagen-
wechsel vornehmen. Eine riskante Sache, denn zum einen muss die Lage genau getroffen werden und zum anderen werden die Tonabstände nach oben hin mit jeder Lage kleiner. Es ist also kein Wunder, dass das Ziel einer guten Intonation beim Kontrabass-Spiel nur über einen ziemlich zähen Übungsprozess erreicht werden kann, der trotz jahrelanger Dauer ohne Erfolgsgarantie ist.

François Rabbath hat entdeckt, dass es nicht erforderlich ist, den Arm zu ver-
schieben, um eine weiter als zwei Halbtöne entfernt liegende Note zu greifen,
wenn man das klassische Verbot aufhebt, vom Arm unabhängige Hand- und Fingergelenksbewegungen auszuführen. Denn mit diesen lässt sich - bei konstanter Daumenposition - der Tonraum erheblich erweitern. Nach Art der seitlichen Fort-
bewegung einer Krabbe oder eines Krebses nutzen sozusagen die Finger ihre Möglichkeiten voll aus, um an andere Töne heranzukommen. Durch diese Technik wird nicht nur der Tonraum erweitert, sondern auch die Intonation verbessert, denn Bewegungen können umso genauer ausgeführt werden, je kleiner sie sind.

Im Bereich des Daumenaufsatzes, der bei der "Nouvelle Technique" übrigens
nicht erst ab der Oktave, sondern in fast allen Positionen angewandt wird, bringt Rabbath etwas völlig Neues und stellt die klassische Technik auf den Kopf. Denn der Daumen verliert seine ihm als elementar zugesprochene Stützfunktion - und damit gleichzeitig seine Fesselung. Dadurch wird wiederum der erreichbare Ton-
raum beträchtlich erweitert und ebenfalls die Intonation verbessert. Diese hängt nämlich auch davon ab, ob der jeweilige Finger eine optimale Spielposition bei voller Gewichtsübertragung einnehmen kann, was nur mit einer "entfesselten" Spielweise möglich ist. Als positiver Nebeneffekt wird der Daumen selbst zum nahezu vollwertigen Spielfinger.    

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