ENDE
Dienstag, 18. September 2018
Silvio Dalla Torre
Gastbeiträge / Allerlei

Neues vom Bass in Quinten

Da ich ich mich bereits seit einigen Jahren mit dem Bassetto und der Stimmung G-D-A-E beschäftigt hatte, war die Einladung von Joel Quarrington, am Royal Conservatory in Toronto/Kanada einen Meisterkurs zu geben, eine willkommene Gelegenheit, die Quint-
stimmung C-G-D-A in der Praxis kennen zu lernen. Joel selbst spielt diese Stimmung bereits seit langer Zeit sowohl im Orchester als auch als Solist und unterrichtet seine Studenten darin.

Ich konnte mich davon überzeugen, dass die Stimmung C-G-D-A
  • im Orchesteralltag absolut beherrschbar ist und auch Studenten, die noch am Beginn ihrer Ausbildung stehen, damit zurecht kommen
  • nicht nur für den Spieler, sondern vor allem auch für den Zuhörer besser klingt
  • dazu beiträgt, dass der Kontrabass sich im Ensemble mit anderen Streichinstrumenten besser mischt.
Nach meiner Rückkehr aus Toronto wollte ich herausbekommen, ob der bessere Klang von in Quinten gestimmten Kontrabässen ein Phänomen der Raumakustik ist oder ob das Instrument selbst bereits ein günstigeres Schwingungsverhalten aufweist. Mir lag ein Artikel von David Chapman vor (veröffentlicht Juni 2003 im Journal der Galpin Society, Oxford), der darin bestreitet, dass Kontrabässe in Quinten besser klingen (und behauptet, die Stimmung sei spieltechnisch nicht beherrschbar). Also hatte ich gute Gründe für eine objektive akustische Messung. Ich bat den Tonmeister der Hochschule für Musik und Theater Rostock, Carsten Storm, eine solche durchzuführen.

Carsten Storm schlug vor, zur größtmöglichen Genauigkeit ein Instrument unter exakt den gleichen Bedingungen zunächst in Quartstimmung und dann in Quintstimmung akustisch zu vermessen. Ich verwendete meinen Kontrabass von Gustav Naese (Dresden, 1880) für den Versuch; beide Male benutzte ich "Obligato"- Saiten der Firma Pirastro. (Der Satz für die Quintstimmung war extra entwickelt worden, wofür ich Pirastros Saitenentwickler Adrian Müller sehr dankbar bin.) Um den Anteil der Raumschwingungen zu reduzieren, wurde in einer reflexionsarmen Kabine gemessen. Ein Messmikrophon der Marke "Brüel & Kjaer 4003" mit einem linearen Frequenzgang bis 20 kHz (was einen Mikrophon-Eigenklang ausschließt) wurde im Abstand von 55 cm zum Steg des Instruments platziert.

Zunächst (im Dezember 2005) wurde die Stimmung Fis-H-E-A analysiert. Ich spielte eine chromatische Tonleiter aller greifbaren Töne ohne Leersaiten (Kontra G bis a’, Realklang) bei maximaler und konstanter Lautstärke im Tempo MM = 72 pro Schlag, wobei ich jeden Ton drei Schläge lang aushielt und anschließend drei Schläge pausierte. Das Metronom war zur Vermeidung des Impuls-Geräusches auf optische Anzeige gestellt worden. Die Tonleiter wurde aufgenommen und mittels des Programms "Samplitude 7.0 professional" auf Festplatte gespeichert.

Im Februar 2006 wurde die Messung wiederholt, diesmal mit der Stimmung C-G-D-A, nachdem die Saiten genügend Zeit gehabt hatten, sich auszudehnen
und ihre Anfangsschärfe zu verlieren. Wiederum wurden alle greifbaren Töne
(Kontra Cis bis a’) aufgenommen.

Das Ergebnis des Klangvergleichs:

Die Messung bestätigt den subjektiven Höreindruck. Der in Quinten gestimmte Kontrabass klingt voller, runder und ausgeglichener. Die Grafik zeigt die Laut- stärken der gespielten Töne. Dabei ist erkennbar, dass die Lautstärke-Unter-schiede bei der Quintstimmung deutlich geringer sind als bei der Quartstimmung. Besonders zeigt sich dies an den hohen Tönen ab g’. Der größeren Ausgeglichen-
heiten der einzelnen Töne liegt ein breiteres Frequenzspektrum zugrunde. Abschließend kann gesagt werden, dass die Quintstimmung der Quartstimmung
in klanglicher Hinsicht überlegen ist.

Doch keine Messung wiegt so viel wie die eigenen Ohren. Hören Sie also selbst: