ENDE
Mittwoch, 19. September 2018
Silvio Dalla Torre
Gastbeiträge / Allerlei

Der fünfsaitige Contrabass

von Carl Otho (Leipzig)

aus: "Zeitschrift für Instrumentenbau" (Nr. 01, 1880), zur Verfügung gestellt von Birgit Heise, Kustodin des Musikinstrumenten-Museums der Universität Leipzig;

D. R.-Patent No. 12065. Mitgetheilt von Otto Sack, Civil Ingenieur und Patent-Anwalt.

Der in beistehender Figur dargestellte Contrabass hat gegenüber den bisher gebräuchlichen Instrumenten dieser Gattung verschiedene Neueinrichtungen. Zunächst ist er mit fünf Saiten versehen, wovon die fünfte Saite "das tiefe C" ermöglicht. Diese Saite ist ganz speciell für diesen Zweck zusammengesetzt. *)

Der Otho’sche Contrabass ist ferner mit einer stellbaren Stütze versehen, die das Hoch- und Tiefstellen des Instrumentes je nach Größe des Spielers gestattet. Die Bauart des ganzen Instrumentes ist im Allgemeinen breiter und kräftiger, die Spannungsvorrichtung der Saiten ist aber die allgemein an Contrabässen übliche.

Die Stellvorrichtung zur Hoch- und Tiefstellung des Contrabasses besteht aus einer in einem Holzkolben eingelassenen eisernen Hülse, in der eine mit einer Spitze versehene eiserne Stange sich führt. Die Stange ist in der Hülse leicht schiebbar und wird je nach Bedürfniss mit einer Schraube in der erforderlichen Stellung festgehalten. Damit beim Losdrehen der Schraube die Stange nicht in ihrer Länge in die Hülse gleiten kann, ist ein Ansatz angebracht.

Ueber die Zweckmässigkeit und das Bedürfnis einer Erweiterung der klanglichen Tonfarbe nach der Tiefe haben sich competente Beurtheiler wie die Dirigenten der Leipziger Oper, die Herren Erdmannsdörfer, Nikisch und Seidl unter Anerkennung des Resultats des Otho’schen Basses ausgesprochen. Dr. Hans von Bülow schrieb an den Erfinder:

Sehr geehrter Herr!

Durch Ihre Erfindung eines fünfsaitigen Kontrabasses C,E,A,D,G sind Sie in meinen Augen ein Wohlthäter der musikalischen Menschheit geworden, jedenfalls derjenigen Dirigenten, denen daran gelegen ist, z.B. vor Allem Beethoven’s Symphonien in vollkommener Treue gegen den Geist (somit auch gegen dessen sinnliches Merkmal, den Buchstaben) ihres Schöpfers zu reproduciren. Das vorzügliche Instrument, welches Sie mir geliefert haben, hat durch seinen ungewöhnlichen Wohlklang sowie durch seine Tonfülle, den ungetheilten Beifall erworben, ausserdem hat sich seine Construction als so praktisch erwiesen, dass Herr Kammermusiker Ebert hier nach mehrwöchentlicher Einübung schon im Stande gewesen ist, dasselbe öffentlich mit Sicherheit zu spielen. Jedes auf künstlerische Respektabilität Anspruch erhebende Orchester sollte es sich nach meiner Ansicht angelegen sein lassen, von Ihrer sinnreichen Erfindung nach Kraft Gewinn zu ziehen. Mit einem freudigen Glückwunsche zu derselben verbinde ich den Ausdruck meiner aufrichtigen Hochachtung.

Dr. Hans v. Bülow, Intendant der herzogl. sächs. Hof-Capelle, königl. bairischer Hof-Capellmeister a.D.

Herr Carl Otho, Instrumentenmacher in Leipzig hat einen Contrabass verfertigt mit fünf Saiten (G,D,A,E,C), der sich im Orchester ganz ausserordentlich bewährt hat. Ist es schon eine grosse Wohlthat die vier Thöne: Es, D, Des, C zur Verfügung zu haben, so wird der Vorzug des Otho’schen Basses noch dadurch erhöht, dass er seinem Instrument eine seltene Klangfülle zu geben verstand, und ist daher meines Erachtens die Einführung seines neu construirten Contrabasses in unseren grossen Orchestern auf das Wärmste zu empfehlen.

Leipzig, 20. Juni 1881, Arthur Nikisch, Capellmeister.

Mit Ihrer neuen Erfindung, dem fünfsaitigen Contrabass, resp. dessen Vervollständigung durch die vier tiefen Töne C, Cis, D, Dis, deren Mangel oft so schwer empfunden wurde, haben Sie dem Orchester einen wesentlichen Dienst geleistet. Dass Ihr Instrument auch an Klangschönheit nichts zu wünschen übrig lässt, füge ich gerne bei, wie dass ich nach bester Überzeugung die Einführung Ihres Instruments fördern will.

Leipzig, 17. Juni 1881, Max Erdmannsdörfer, Hofcapellmeister a. D.

Den von Herrn Otho, Mitglied des Leipziger Theater- und Gewandhaus-Orchesters, construirten fünfsaitigen Contrabass, halte ich für unser Orchester für einen ungeheuren Gewinn, da, vom prachtvollen, ausgiebigen Tone desselben erst jetzt viele bedeutende Stellen gespielt werden können, die auf unseren gewöhnlichen im Gebrauch des Orchesters befindlichen Instrumenten gar nicht zu erreichen wären. Nach dem Vorgange des Leipziger Theaterorchesters empfehle ich allen guten Orchestern die Anschaffung dieses vortrefflichen Instrumentes.

im Juni 1881, Anton Seidl, Capellmeister am Stadttheater zu Leipzig.

*) die C-Saite hat einen Durchmesser von 10 mm. Ein Kern von Stahldraht, der ca. 2 mm stark ist, ist seiner Länge nach mit Seidenfäden belegt. Auf die Seidenschicht ist dann einfacher Eisendraht gesponnen. Diese Eisendrahtschicht ist wiederum der Länge nach mit Seidenfäden belegt. Darüber ist nochmals einfacher Eisendraht dicht gewickelt; dieser ist wiederum dicht mit einer Schicht Seide überlegt, und über diese ist als letztes Umhüllungsmaterial versilberter oder vernickelter Kupferdraht gesponnen.