ENDE
Donnerstag, 14. Dezember 2017
Silvio Dalla Torre
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Der "Müller-Bogen"

August Müller schrieb in der Neuen Zeitschrift für Musik (Nr. 29 vom 07.10.1848) über den Kontrabassbogen:

"Der Bogen für den Contrabaß muß nach meinen gemachten Erfahrungen durchaus die nöthige Schwere haben, damit er den erforderlichen Druck gegen die stark angespannten Saiten
des Instruments unterstützt. Es ist wirklich unbe-
greiflich, wie man in der Beziehung im Zweifel
sein kann, da die Größe des Contrabasses und
die Kraft, mit welcher er behandelt werden muß,
schon auf das Nothwendige hinweist.

Öfters ist der Contrabaß-Bogen so leicht, daß er kaum einen tüchtigen Cello-Bogen an Schwere übertrifft. Mit diesem Vögelein soll man nun unsere kolossale Geige mit der nöthigen Kraft und Ausdauer behandeln?

Ich habe einen solchen längere Zeit zum Spiele benutzt, um mich vollkommen von seiner Unzu-
länglichkeit zu überzeugen. Im Anfange scheint
er sehr gut zu sein und die Kraft beim Spiele
herrlich zu unterstützen; allein dies ist nur
Täuschung, und bald wird man bei ihm finden,
daß er durchaus nicht geeignet ist, für die Dauer
die nöthige Wucht zu gewähren und dem
Contrabassisten in der Kraft nachzuhelfen.

Der Bogen, welchen ich nach meinen Erfah-
rungen am zweckmäßigsten gefunden habe,
hat beinahe die Länge eines Cello-Bogens und
ist vollkommen so wie dieser construiert, nur
daß er wenigstens um das Doppelte dicker und schwerer ist; auch muß er von gewichtigem amerikanischem Fernambuk oder Blauholz sein. Der Kopf darf nicht zu niedrig sein und muß noch einmal so hoch als der des Violoncellbogens sein. Der Frosch ist von schwarzem Holze (s. g. Ebenholze) gefertigt. Die Haare sind stets von schwarzen Pferden und zwar von der stärksten Qualität, dabei sind sie möglichst breit auseinandergelegt. Dies ist ein Bogen, dem jeder Beifall geben muß, der das Instrument kennt, für das er bestimmt ist."

Aus zeitgenössischen Berichten wird ersichtlich, dass Müller mit seinem großen und intensiven Klang überzeugt hat. Kein geringerer als Hector Berlioz schrieb in seinen Mémoires über Müller:

"Im Darmstädter Orchester befindet sich ein bemerkenswerter Künstler. Er heißt Müller... Ohne darauf aus zu sein, was er leicht könnte, Läufe und Arpeggien von überflüssiger Schwierigkeit und groteskem Effekt zu spielen, singt er edel und getragen auf dem riesigen Instrument und bringt schönste Töne hervor, die er kunst- und gefühlvoll färbt. Ich hörte ihn ein wundervolles Adagio spielen, mit dem er ein kritisches Publikum tief zu bewegen vermochte."

Müller wirkte im Rahmen der Feier zur Enthüllung des Mozartdenkmals in Salz-
burg im September 1842 unter anderem bei der Aufführung von Mozarts Arie
"Per questa bella Mano" mit, worüber folgendes berichtet wurde:

"Herr August Müller trug bei den Festlichkeiten durch seinen allgewaltigen Ton so wie seinen discreten trefflichen Vortrag und seine eminente Fertigkeit unendlich viel zum Gelingen der Ensemblestücke bei."