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Freitag, 28. Juli 2017
Silvio Dalla Torre
Bassetto historisch - Das Bassetto in der Barockmusik - Das Bassett in der Volksmusik - Cellone und Sous-Basse Mein Bassetto Bassetto in der Praxis

Cellone und Sous-Basse

Cellone, Seitenansicht
Die uns heute vertrauten und üblichen Sreich-
instrumente Violine, Viola, Violoncello und Kon-
trabass entsprechen nicht der ursprünglichen Entwicklung. Bereits 1619 hat Michael Prae-
torius
in seinem "Syntagma musicum" sieben unterschiedlich gestimmte "Geigen" darge-
stellt. Darauf besannen sich die hier kurz beschriebenen Geigenbauer, die mit neuen Instrumenten versuchten, einen größeren Tonraum abzudecken.

Neben Geigenbauer war Dr. Alfred Stelzner (1852-1906) auch Mathematiker und Physiker.
Er versuchte mit der sog. Violotta die Lücke zwischen Viola und Violoncello zu schließen.
Für den Tonbereich zwischen Violoncello und Kontrabass erfand er das Cellone. Darüber war im Katalog des "Musikhistorischen Museums von Wilhelm Heyer in Cöln" im Jahre 1910 zu lesen:

"Das von Alfred Stelzner im Jahre 1892 erfun-
dene "Cellone", das eine Oktave tiefer als die "Violotta" und zwei Oktaven tiefer als die Violine steht, bildet das Baß-Instrument der sog. "G-Geigen", denen die beiden alten "C-Geigen" (Viola und Violoncell)
Cellone - Dresden 1893
gegenüberstehen. Der Name "Cellone" ist übrigens ein sprachlicher Nonsens, da das Wort aus der bloßen Zusammensetzung einer Diminuitiv- und Augmentativ-Silbe gebildet ist."

Obwohl das Instrument nicht sehr viel größer war als ein großes Violoncello, muss es doch wegen der Stimmung G-D-A-E als "Halbbass" bezeichnet werden.

Etwa dreißig Jahre später konzipierte der fran-
zösische Geigenbauer Léo Sir - ähnlich wie Stelzner - das Ensemble der Streichinstrumente neu, dem zwei Kontrabass-Instrumente ange-
hörten. Eines davon war zwischen dem tiefen Bass und dem Violoncello angesiedelt und be-
kam den Namen Sous-Basse. Bei einer Mensur von 85 cm wurde das Instrument mit einer Gesamtlänge von 150 cm ebenso in den Quinten G-D-A-E gestimmt (zwei Oktaven unter der Violine). Über seinen Klang schrieb Eugène Hyard (Instrumentation et Orchestration, Paris 1922): "Das Instrument klingt zwar in der Kontrabass-Stimm-
lage, aber es hat nicht die tiefe und etwas poröse Stimme des Kontrabasses. Es ist eine Mittelstimme, klar und rein, leicht kupfern in der Tiefe, voll und rund im mittleren Register."

Sous-Basse
1921 schrieb Arthur Honegger als Auftrags-
komposition für Léo Sir die "Hymne pour dixtuor à cordes" für zehn "neue" Instrumente, darunter den Sous-Basse. Ein solistisches Werk für das interessante Instrument, das bedauerlicherweise in Vergessenheit geraten ist, komponierte Honegger im Februar 1932. Es trägt den Titel "Prélude pour la Sous-Basse et Piano".

In den 1960-iger Jahren wurden wiederum Versuche der Streichinstrumenten-Neuordnung unternommen. Die führende amerikanische Geigenbauerin Carleen Hutchins schuf das bekannte Violin-Octet auf der klanglichen Basis der Violin-Resonanzen. Dem Ensemble gehört
ein von ihr als Small Bass Violin bezeichnetes Instrument an, das dem Sous-Basse ähnlich ist und ebenso auf G-D-A-E zu stimmen sein sollte. Da allerdings damals die Quint-
stimmung von Kontrabassisten nicht beherrscht worden ist, hat sich Carleen Hutchins für die hohe Quartstimmung A-D-G-C entschieden.